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Der Capri in der Werbung

Der von Ford so gern strapazierte Begriff „Vernunft“ hatte schon bei der Einführung der Modellreihe P3 (alias 17M) im Jahre 1960 herhalten müssen, um eine Karosserieform zu definieren. War die Badewanne vernünftiger als der Gelsenkirchener Barock des Vorgängers?
Aus der „Linie der Vernunft“ war beim Capri das „Zeichen der Vernunft“ geworden, nachdem die Einführung dieses Autos noch unter dem Motto „Ford weist den Weg“ stattgefunden hatte. Von der Vernunft war in der Capri-Werbung immer wieder die Rede, wenngleich Emotion gemeint war. Denn wenn es heißt, „so aufregend kann Vernunft sein“, dann werden die Gefühle, nicht der Verstand angesprochen. Man spricht von Träumen, die der Capri erfüllt, von Wünschen, die man sich erfüllen kann, man bildet hübsche (vernünftige?) Plaketten mit den Buchstaben X, L und GT ab, apostrophiert die Vollkunstlederpolsterung- ein schönes Wort, das wie „Vollkunst“ natürlich in keinem Wörterbuch zu finden ist. Die Gestaltung der Werbemittel für den Capri vom Katalog bis zum Inserat lässt große Konsequenz erkennen. Sie steht in der Tat im Zeichen der Vernunft. Das graphische Bild, die Spannung zwischen Überschrift und Text, die Art der Fotographie ist so Ford-typisch wie seit eh und je. Die aussagstarke Werbung zeigt die Handschrift der Traditions-Agentur des Ford-Konzerns: J. Walter Thompson(JWT). Sie war für das Haus Ford in aller Welt zuständig, so wie McCann-Ericsson für General Motors, Doyle-Dane-Bernbach für Volkswagen oder Dorland für BMW. Langjährige Bindungen dieser Agenturen zu ihren Kunden prägten einen Stil im Auftritt, der unverwechselbar wurde. So weisen auch die von JWT für den Capri geschaffenen Werbemittel eine Linie auf, die in jeder Beziehung Ford-typisch ist. Zugleich stellen diese Werbemittel einen Ausdruck ihrer Zeit dar: Man versieht die Überschriftzeilen- und wenn sie nur aus einem einzigen Wort bestehen- mit einem Punkt am Ende, verschwendet viel leeren Raum. bläst einige Fotos zu Postergröße auf. 
Doch die Aussagen in Bezug auf den Capri und seine Details sind schnörkellos und umfassend. Angaben zu technischen Einzelheiten wird nicht gespart. Das an sich langweilige DIN-A-4-Format haben die Graphiker gut zu nutzen verstanden- und Layouts pflegte man damals noch nicht am Bildschirm zu machen! Als der Capri II eingeführt wurde verstand man die Capri-Emotion noch ein wenig mehr zu versachlichen. So, wie die Karosserie des Coupés ihre Verschnörkelungen losgeworden war, hatte sich auch das graphische Bild der Prospekte und Inserate verändert –geringfügig nur, aber doch erkennbar. Es wurden neue Schrifttypen verwendet, schärfere und freigestellte Fotos, knappere Formulierungen bis zur Abmagerung auf Telegrammstil. Nicht nur für den Capri hatte Ford in den frühen achtziger Jahren den werblichen Auftritt verändert. So wie das Signet der klassischen Ford-„Pflaume“ jetzt wie eine fotografierte Plakette auch auf dem Papier dreidimensional wirkte (was andere Automobilhersteller mit ihren Emblemen erst sehr viel später machten), hatte alles, was bei Ford mit Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zu tun hatte, ein Facelifting erfahren. Am meisten profitierten davon die Modellreihen Sierra(1982) und Orion(1983)- der Capri war bei deren Erscheinen ja schon ein Auslaufmodell gewesen.